DAS WERK VON HENRI TUDOR


Die Anfänge

Henri Tudor hat vermutlich seine ersten Experimente mit der Unterstützung seines Bruders Hubert und seines Vetters Nikolaus Josef Schalkenbach während der Semesterferien gemacht. Um 1881 schließt er einen Gramme-Generator an die väterliche Wassermühle an und erzeugt damit elektrischen Strom. Um die Spannung zu stabilisieren und den schwankenden Bedarf auszugleichen, schaltet Henri seine selbst konstruierten Akkumulatoren im Stromkreis dazu. Im Oktober 1882 ist der Irminenhof somit eines der ersten privaten Häuser in Europa, das mit Elektrizität versorgt ist.

 

Ein Kraftwerk in der Abtei Echternach

Im Jahre 1886 bietet Tudor der Stadt Echternach an, die Petroleumlaternen durch eine elektrische Beleuchtung zu ersetzen.

Nachdem die Bedenken ausgeräumt sind, das Tudorsche System könne in einer größeren Stadt nicht so gut funktionieren wie im Irminenhof, nimmt die Gemeinde den Entwurf an. Ende 1886 ist in der Abtei von Echternach ein Kraftwerk für die stabile und konstante Beleuchtung eingerichtet und die Stadt kann die neue Technologie nutzen. Nach kurzer Zeit schon muß Tudor einen zweiten Dampfkessel einbauen, um die Leistung des Stromnetzes zu erhöhen und so mehr private Häuser anzuschliessen. Die Beleuchtung von Echternach überrascht und inspiriert das Ausland und viele Städte, insbesondere in Belgien, wollen Verbindung zu Tudor aufnehmen. Dieser gründet die Société Anonyme Belge pour l’Eclairage Public par l’Electricité, um seine Aktivitäten in Belgien zu erleichtern.

Am Beginn seiner industriellen Tätigkeit schließt sich Tudor mit Adolph Müller zusammen. Dieser Handelsvertreter wird im Jahre 1887 Vertreter der Brüder Tudor in Deutschland. Ein Jahr später schließt er ein Abkommen mit den Tudor-Brüdern und erhält das ausschließliche Recht, Tudor-Akkumulatoren in Deutschland, Zentral- und Osteuropa sowie Skandinavien herzustellen und zu verkaufen.

 

Elektrische Anlagen für die Stromversorgung

In der Ausstellung in Lyon (1894) stellt Henri Tudor, in Zusammenarbeit mit dem Hause Lombard-Gérin, eine elektrische Station vor mit einem Dynamo und einer Batterie, die 500 Lampen mit 10 Kerzen (150A bei 115V) während 4 Stunden zum Leuchten bringt. Ein Gasmotor treibt den Dynamo an, der den Strom für den Tudor-Akku und für das Netz liefert. Wenn der Dynamo nicht genügend Strom erzeugt, um den Bedarf zu decken, springt die Tudor-Batterie automatisch ein. Wenn die Nachfrage sinkt, kann der Gasmotor ausgeschaltet werden und die Batterie liefert ganz kurz weiter Strom oder der Generator allein liefert die Leistung. Dieses System hat jedoch einen Nachteil: obwohl selten erforderlich, bedingen Akku-Reparaturen Schweißarbeiten und sind daher schwierig.

Ziemlich schnell verliert Henri Tudor sein Interesse an elektrischen Anlagen und widmet sich vollständig der Herstellung und der Verbesserung der Blei-Akkumulatoren. Bereits 1889 beschweren sich viele Arbeiter der Fabrik Tudor Brüder und Schalkenbach, nicht die Ausrüstung ausnutzen zu können, die sie selber herstellen. Erst im Jahre 1901 erstrahlt auch in Rosport eine öffentliche elektrische Beleuchtung.

 

Das "Energy-Car"

Im Jahre 1905 präsentieren die Brüder Tudor einen Wagen, das so genannte "Energy-Car" in der Ausstellung in Lüttich. Dieser soll jene Gegenden mit Strom versorgen, die nicht mit dem Elektrizitätsnetz verbunden sind. Der Wagen enthält einen Benzin-Motor, der über eine elastische Kupplung mit einem Elektromotor verbunden ist. Die angeschlossenen Akkumulatoren speichern die überschüssige Energie, die sie bei Bedarf wieder abgeben. Das Energy-Car kann genau wie seine Verwandte, die Lokomobile, landwirtschaftliche Maschinen antreiben, ist aber leichter und effizienter. Obwohl es sich hierbei um einen technologischen Fortschritt handelt, hat das Energy-Car keinen kommerziellen Erfolg. Das Energy-Car wird zuerst in Rosport hergestellt und dann in den Werkstätten Braun in Brüssel.

Im Jahre 1908 ist Henri Tudor gezwungen, sein Werk in Rosport zu schließen. Die kleine Fabrik liegt weit abseits der großen Städte und kann die Nachfrage nicht mehr befriedigen. Die hohen Zölle für die Einfuhr von Blei wie für die Ausfuhr von Akkumulatoren außerhalb des Zollvereins belasten die Ertragskraft des Unternehmens. Die Produktion übernimmt das 1901 gegründete Werk von Florival in Belgien. 

Die Informationen stammen unter anderem aus: Henri Werner, Ernest Reiter: Henri Owen Tudor - l'impact d'une idée, Luxembourg 2009

 

 

 

 


Väterliche Mühle

 

 

 


Abtei in Echternach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lokomobile, die Verwandte des Energy-Cars, wird seit etwa 1851 im Ausland gebaut. Es handelt sich nicht um ein Fahrzeug, sondern um ein Gerät, das landwirtschaftliche Maschinen antreiben oder Baustellen und landwirtschaftliche Betriebe durch die Erzeugung von Strom beleuchten soll. Ihre Nachteile sind ihr großes Gewicht, die Explosionsgefahr wegen des Dampfkessels und dem Betriebsaufwand. 

 


  Energy-Car